Aus dem philsophischen Werk "Utopia" von Thomas Morus (Sir Thomas More). Der Autor war aus London und die Originalsprache ist Latein.
"[...]
Mit den erwähnten Märkten sind andere für Lebensmittel verbunden; auf diese bringt man außer Gemüse, Obst und Brot auch Fische und Fleisch. Die Tiere sind außerhalb der Stadt auf geeigneten Plätzen, wo man Blut und Schmutz in fließendem Wasser abwaschen kann, von Sklaven getötet und gereinigt worden. Die Bürger sollen sich nämlich nicht an das Schlachten von Tieren gewöhnen, weil man der Ansicht ist, die Gewöhnung an diese Tätigkeit ertöte allmählich das Mitleid, den edelsten Zug unseres Wesens.
[...]
Zu diesen so unpassenden Freuden rechnen die Utopier auch die der Glücksspieler, deren unsinniges Gebaren ihnen nur vom Hörensagen, nicht aus Erfahrung bekannt ist, und außerdem die der Jäger und Vogelsteller. Denn was ist das für ein Vergnügen, so sagen sie, die Würfel auf das Spielbrett zu werfen? Und dabei tut man das so oft, daß schon aus der häufigen Wiederholung ein Überdruß entstehen könnte, wenn wirklich ein Vergnügen damit verbunden wäre. Oder wie könnte es angenehm sein und nicht vielmehr Widerwillen erregen, das Gebell und Geheul der Hunde zu hören? Oder inwiefern macht es mehr Vergnügen, wenn ein Hund einem Hasen als wenn er einem anderen Hunde nachjagt? Denn in beiden Fällen handelt es sich doch um den gleichen Vorgang: es wird gelaufen – wenn dir das Laufen Freude machen sollte. Wenn dich aber die Aussicht auf Mord fesselt oder wenn du auf die Zerfleischung wartest, die sich vor deinen Augen abspielen soll, so müßte es doch eher dein Mitleid erregen, wenn du mit ansehen mußt, wie das arme Häslein von dem Hunde zerrissen wird, der Schwache von dem Stärkeren, der Scheue und Furchtsame von dem Wilden, der Harmlose schließlich von dem Grausamen. Die Utopier haben deshalb dieses ganze Geschäft des Jagens als eine der Freien unwürdige Beschäftigung den Metzgern zugewiesen, deren Handwerk sie, wie oben erwähnt, von Sklaven ausüben lassen. Ihrer Anschauung nach ist nämlich die Jagd die niedrigste Verrichtung dieses Handwerks, die übrigen sind in ihren Augen nützlicher und ehrbarer, weil sie die Tiere weit mehr schonen und nur aus Notwendigkeit töten, während der Jäger einzig und allein im Morden und Zerfleischen des armen Tieres sein Vergnügen sucht. Dieses Lustgefühl beim Anblick des Mordens hat nach Ansicht der Utopier sogar beim Morden der Tiere seinen Ursprung in einer grausamen Gemütsstimmung oder artet schließlich infolge ständiger Wiederholung des so rohen Vergnügens in Grausamkeit aus. Diese und alle sonstigen Genüsse derart – es gibt nämlich deren unzählige – hält zwar die große Masse der Menschen für Vergnügen, die Utopier dagegen erklären rund heraus, mit dem wahren Vergnügen habe das alles gar nichts zu tun, da ihm von Natur alles Erfreuliche fehle. Denn wenn es auch für gewöhnlich den Sinn mit Wohlbehagen erfüllt, was ja die Aufgabe des Vergnügens zu sein scheint, so gehen die Utopier doch nicht von ihrer Meinung ab. Der Grund dafür ist nämlich nicht die Natur der Sache selbst, sondern die üble Gewohnheit der Menschen. Sie ist schuld daran, daß man Bitteres als süß hinnimmt [...]
[...]
"