Note that the following text contains antisemitic language. Antisemitism does not seem to have been a central aspect of Schopenhauer's theories - his antisemitic remarks are more like "side notes". First, he contrasts the Old Testament, which he sees as presenting Judaism, with the New Testament, presenting Christianity, blaming the ill-treatment of animals on the Jewish tradition. Conversely, he blames Christianity and aspects of the German and English languages for morally disregarding animals, contrasting this with "the old languages" (he might not be referring to Hebrew). However, his antisemitic remarks go further than blaming the Old Testament. In the text below, but also in other parts of the book not cited here, he uses the term "foetor Judaicus" - vaguely referring to a "stench". For the diverse potential meanings of this term, see, for example, the US Holocaust Memorial Museum's explanation here (excerpt: "Foetor judaicus was used as an extension of several unsubstantiated myths. Its perceived existence was used to legitimize other antisemitic beliefs and it was an invented consequence of Jews’ supposed wicked actions.").
I'm not an expert in antisemitism nor in Schopenhauer, so I cannot put his remarks into historical context. This text was written a long time before the "Nazi time" in Germany, which provides some limited context but does not, of course, excuse his antisemitism, particularly since he lived in Frankfurt, a city with a large Jewish community, and since he did not have the excuse of being an uneducated ignoramus from the countryside, with no knowledge of the world and other cultures, who just did not know any better (the German equivalent of a "redneck").
Side note 1: It has also been stated that Max Horkheimer credited Schopenhauer for drawing attention to the similarities between human suffering and exploitation and that of non-humans (see here).
Side note 2: It is noteworthy that Schopenhauer uses the term "the rights of animals".
[SECTION 7 of §19 SEEMS TO HAVE BEEN WRITTEN IN 1839 - see text]
Cited from:
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Die beiden
Grundprobleme der Ethik [1881]
Die beiden
Grundprobleme der Ethik,
behandelt
in zwei
akademischen Preisschriften
von
Dr. Arthur
Schopenhauer,
Mitgliede der
königl. Norwegischen Societät der Wissenschaften.
-------
Dritte Auflage.
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I. Ueber die
Freiheit des menschlichen Willens, gekrönt von der königl. Norwegischen
Societät der Wissenschaften, zu Drontheim, am 26. Januar 1839.
II. Ueber das
Fundament der Moral, nicht gekrönt von der k. Dänischen Societät der
Wissenschaften, zu Kopenhagen, den 30. Januar 1840.
Leipzig:
F. A. Brockhaus
1881.
Inhalt.
-------
Preisschrift über
die Freiheit des Willens.
[I–V]
[…]
Preisschrift über
die Grundlage der Moral
[I–IV]
I. Einleitung.
[§ 1–2]
[…]
II. Kritik des
von Kant der Ethik gegebenen Fundaments.
[§ 3–11]
[…]
III. Begründung
der Ethik.
[§ 12–20]
[…]
§. 19.
Bestätigungen des
dargelegten Fundaments der Moral
[Dieses Kapitel
auf den Seiten 231–249]
[1–9]
[…]
[Abschnitt 7, auf
den Seiten 238–245]
7) Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die ächte ferner dadurch, daß sie auch die Thiere in ihren Schutz nimmt, für welche in den andern Europäischen Moralsystemen so unverantwortlich schlecht gesorgt ist. Die vermeinte Rechtlosigkeit der Thiere, der Wahn, daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener Moral heißt, daß es gegen Thiere keine Pflichten gebe, ist geradezu eine empörende Rohheit und Barbarei des Occidents, deren Quelle im Judenthum liegt. In der Philosophie beruht sie auf der aller Evidenz zum Trotz angenommenen gänzlichen Verschiedenheit zwischen Mensch und Thier, welche bekanntlich am entschiedensten und grellsten von Kartesius ausgesprochen ward, als eine nothwendige Konsequenz seiner Irrthümer. Als nämlich die Kartesisch-Leibnitz-Wolfische Philosophie aus abstrakten Begriffen die rationale Psychologie aufbaute und eine unsterbliche anima rationalis konstruirte; da traten die natürlichen Ansprüche der Thierwelt diesem exklusiven Privilegio und Unsterblichkeits-Patent der Menschenspecies augenscheinlich entgegen, und die Natur legte, wie bei allen solchen Gelegenheiten, still ihren Protest ein. Nun mußten die von ihrem intellektuelle[n] Gewissen geängstigten Philosophen suchen, die rationale Psychologie durch die empirische zu stützen und daher bemüht seyn, zwischen Mensch und Thier eine ungeheuere Kluft, einen unermeßlichen Abstand zu eröffnen, um, aller Evidenz zum Trotz, sie als von Grund aus verschieden darzustellen. Solcher Bemühungen spottet schon Boileau:
Les animaux ont-ils des universités
?
Voit-on fleurir chez eux des quatre facultés ?
Da sollten am Ende gar die Thiere sich nicht von der
Außenwelt zu unterscheiden wissen und kein Bewußtseyn ihrer selbst, kein Ich
haben! Gegen solche abgeschmackte Behauptungen darf man nur auf den jedem Thiere,
selbst dem kleinsten und letzten, inwohnenden gränzenlosen Egoismus hindeuten, der
hinlänglich bezeugt, wie sehr die Thiere sich ihres Ichs, der Welt oder dem Nicht-Ich
gegenüber bewußt sind. Wenn so ein Kartesianer sich zwischen den Klauen eines
Tigers befände, würde er auf das deutlichste inne werden, welchen scharfen
Unterschied ein solcher zwischen seinem Ich und Nicht-Ich setzt. Solchen
Sophistikationen der Philosophen entsprechend finden wir, auf dem populären
Wege, die Eigenheit mancher Sprachen, namentlich der deutschen, daß sie für das
Essen, Trinken, Schwangerseyn, Gebären, Sterben und den Leichnam der Thiere
ganz eigene Worte haben, um nicht die gebrauchen zu müssen, welche jene Akte
beim Menschen bezeichnen, und so unter der Diversität der Worte die vollkommene
Identität der Sache zu verstehen. Da die alten Sprachen eine solche Duplicität
der Ausdrücke nicht kennen, sondern unbefangen die selbe Sache mit dem selben
Worte bezeichnen; so ist jener elende Kunstgriff ohne Zweifel das Werk Europäischer
Pfaffenschaft, die, in ihrer Profanität, nicht glaubt weit genug gehen zu
können im Verleugnen und Lästern des ewigen Wesens, welches in allen Thieren
lebt; wodurch sie den Grund gelegt hat zu der in Europa üblichen Härte und
Grausamkeit gegen Thiere, auf welche ein Hochasiate nur mit gerechtem Abscheu hinsehen
kann. In der Englischen Sprache begegnen wir jenem nichtswürdigem Kunstgriff
nicht; ohne Zweifel, weil die Sachsen, als sie England eroberten, noch keine
Christen waren. Dagegen findet sich ein Analogon desselben in der
Eigenthümlichkeit, daß im Englischen alle Thiere generis
neutrius [generis neutri] sind und daher durch das Pronomen it (es) vertreten
werden, ganz wie leblose Dinge; welches, zumal bei den Primaten, wie Hunde, Affen
u. s. w., ganz empörend ausfällt und unverkennbar ein Pfaffenkniff ist, um die
Thiere zu Sachen herabzusetzen. Die alten Aegypter, deren ganzes Leben
religiösen Zwecken geweiht war, setzten in den selben Grüften die Mumien der
Menschen und die der Ibisse, Krokodile u. s. w. bei: aber in Europa ist es ein
Gräuel und Verbrechen, wenn der treue Hund neben der Ruhestätte seines Herrn
begraben wird, auf welcher er bisweilen, aus einer Treue und Anhänglichkeit,
wie sie beim Menschengeschlechte nicht gefunden wird, seinen eigenen Tod
abgewartet hat. – Auf die Erkenntniß der Identität des Wesentlichen in der
Erscheinung des Thiers und der des Menschen leitet nichts entschiedener hin,
als die Beschäftigung mit Zoologie und Anatomie: was soll man daher sagen, wenn
heut zu Tage (1839) ein frömmelnder Zootom einen absoluten und radikalen
Unterschied zwischen Mensch und Thier zu urgiren sich erdreistet und hierin so
weit geht, die redlichen Zoologen, welche, fern von aller Pfäfferei, Augendienerei
und Tartüffianismus, an der Hand der Natur und Wahrheit ihren Weg verfolgen,
anzugreifen und zu verunglimpfen?
Man muß wahrlich an allen Sinnen blind, oder vom foetor Judaicus
total chloroformirt seyn, um nicht zu erkennen, daß das Wesentliche und
Hauptsächliche im Thiere und im Menschen das Selbe ist und daß was Beide
unterscheidet, nicht im Primären, im Princip, im Archäus, im innern Wesen, im
Kern beider Erscheinungen liegt, als welcher in der einen wie in der andern der
Wille des Individuums ist, sondern allein im Sekundären, im Intellekt, im Grad
der Erkenntnißkraft, welcher beim Menschen, durch das hinzugekommene Vermögen
abstrakter Erkenntniß, genannt Vernunft, ein ungleich höherer ist, jedoch erweislich
nur vermöge einer größern cerebralen Entwickelung, also der somatischen
Verschiedenheit eines einzigen Theiles, des Gehirns, und namentlich seiner
Quantität nach. Hingegen ist des Gleichartigen zwischen Thier und Mensch,
sowohl physisch als somatisch, ohne allen Vergleich mehr. So einem
occidentalischen, judaisirten Thierverächter und Vernunftidolater muß man in
Erinnerung bringen, daß, wie Er von seiner Mutter, so auch der Hund von der
seinigen gezeugt worden ist. Daß sogar Kant in jenen Fehler der Zeit- und
Landesgenossen gefallen ist, habe ich oben gerügt. Daß die Moral des
Christenthums die Thiere nicht berücksichtigt, ist ein Mangel derselben, den es
besser ist einzugestehen, als zu perpetuiren, und über den man sich um so mehr
wundern muß, als diese Moral im Uebrigen die größte Uebereinstimmung zeigt mit
der des Brahmanismus und Buddhaismus, bloß weniger stark ausgedrückt und nicht
bis zu den Extremen durchgeführt ist; daher man kaum zweifeln kann, daß sie,
wie auch die Idee von einem Mensch gewordenen Gotte (Avatar), aus Indien stammt
und über Aegypten nach Judäa gekommen seyn mag; so daß das Christenthum ein
Abglanz Indischen Lichtes von den Ruinen Aegyptens wäre, welcher aber leider
auf Jüdischen Boden fiel. Als ein artiges Symbol des eben gerügten Mangels in
der Christlichen Moral, bei ihrer sonstigen großen Uebereinstimmung mit der
Indischen, ließe sich der Umstand auffassen, daß Johannes der Täufer ganz in
der Weise eines Jüdischen Saniassi’s auftritt, dabei aber – in Thierfelle gekleidet! welches
bekanntlich jedem Hindu ein Gräuel seyn würde; da sogar die Königliche Societät
zu Kalkutta ihr Exemplar der Veden nur unter dem Versprechen erhielt, daß sie
es nicht, nach Europäischer Weise, in Leder binden lassen würde: daher es sich in
ihrer Bibliothek in Seide gebunden vorfindet. Einen ähnlichen, charakteristischen
Kontrast bietet die Evangelische Geschichte vom Fischzuge Petri, den der
Heiland, durch ein Wunder, dermaaßen segnet, daß die Böte mit Fischen bis zum
Sinken überfüllt werden (Luk. 5), mit der Geschichte von dem in Aegyptische
Weisheit eingeweihten Pythagoras, welcher den Fischern ihren Zug, während das
Netz noch unter dem Wasser liegt, abkauft, um sodann allen gefangenen Fischen
ihre Freiheit zu schenken (Apul. de magia, p. 36. Bip.). Mitleid mit Thieren
hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich
behaupten darf, wer gegen Thiere grausam ist, könne kein guter Mensch seyn.
Auch zeigt dieses Mitleid sich als aus der selben Quelle mit der gegen Menschen
zu übenden Tugend entsprungen. So z. B. werden fein fühlende Personen, bei der Erinnerung,
daß sie, in übler Laune, im Zorn, oder vom Wein erhitzt, ihren Hund, ihr Pferd,
ihren Affen unverdienter oder unnöthiger Weise, oder über die Gebühr gemißhandelt
haben, die selbe Reue, die selbe Unzufriedenheit mit sich selbst empfinden, welche
bei der Erinnerung an gegen Menschen verübtes Unrecht empfunden wird, wo sie
die Stimme des strafenden Gewissens heißt. Ich erinnere mich, gelesen zu haben,
daß ein Engländer, der in Indien, auf der Jagd, einen Affen geschossen hatte,
den Blick, welchen dieser im Sterben auf ihn warf, nicht vergessen gekonnt und
seitdem nie mehr auf Affen geschossen hat. Eben so Wilhelm Harris, ein wahrer
Nimrod, der, bloß um das Vergnügen der Jagd zu genießen, in den Jahren 1836 und
1837 tief in das innere Afrika reiste. In seiner 1838 zu Bombay erschienenen
Reise erzählt er, daß, nachdem er den ersten Elephanten, welches ein weiblicher
war, erlegt hatte und am folgenden Morgen das gefallene Thier aufsuchte, alle
anderen Elephanten aus der Gegend entflohen waren: bloß das Junge des
gefallenen hatte die Nacht bei der todten Mutter zugebracht, kam jetzt, alle Furcht
vergessend, den Jägern mit den lebhaftesten und deutlichsten Bezeugungen seines
trostlosen Jammers entgegen, und umschlang sie mit seinem kleinen Rüssel, um
ihre Hülfe anzurufen. Da, sagt Harris, habe ihn eine wahre Reue über seine That
ergriffen und sei ihm zu Muthe gewesen, als hätte er einen Mord begangen. Diese
fein fühlende Englische Nation sehen wir, vor allen andern, durch ein
hervorstechendes Mitleid mit Thieren ausgezeichnet, welches sich bei jeder
Gelegenheit kund giebt und die Macht gehabt hat, dieselbe, dem sie übrigens
degradirenden „kalten Aberglauben“ zum Trotz, dahin zu bewegen, daß sie die in
der Moral von der Religion gelassene Lücke durch die Gesetzgebung ausfüllte.
Denn diese Lücke eben ist Ursache, daß man in Europa und Amerika der Thier-Schutz-Vereine
bedarf, welche selbst nur mittelst Hülfe der Justiz und Polizei wirken können.
In Asien gewähren die Religionen den Thieren
hinlänglichen Schutz, daher dort kein Mensch an dergleichen Vereine denkt. Indessen
erwacht auch in Europa mehr und mehr der Sinn für die Rechte der Thiere, in dem
Maße, als die seltsamen Begriffe von einer bloß zum Nutzen und Ergötzen der
Menschen ins Daseyn gekommenen Thierwelt, in Folge welcher man die Thiere ganz
als Sachen behandelt, allmälig verblassen und verschwinden. Denn diese sind die
Quelle der rohen und ganz rücksichtslosen Behandlung der Thiere in Europa, und
habe ich den Alttestamentlichen Ursprung derselben nachgewiesen im zweiten
Bande der Parerga, §. 178. Zum Ruhme der Engländer also sei es gesagt, daß bei
ihnen zuerst das Gesetz auch die Thiere ganz ernstlich gegen grausame
Behandlung in Schutz genommen hat, und der Bösewicht es wirklich büßen muß, daß
er gegen Thiere, selbst wenn sie ihm gehören, gefrevelt hat. Ja, hie[r]mit noch
nicht zufrieden, besteht in London eine zum Schutz der Thiere freiwillig zusammengetretene
Gesellschaft, Society
for the prevention of cruelty to animals, welche, auf Privatwegen, mit
bedeutendem Aufwande, sehr viel thut, um der Thierquälerei entgegen zu
arbeiten. Ihre Emissarien passen heimlich auf, um nachher als Denunzianten der
Quäler sprachloser, empfindender Wesen aufzutreten, und überall hat man deren
Gegenwart zu befürchten*).
---------
[FOOTNOTE START]
*) Wie ernstlich die Sache genommen wird, zeigt das
folgende ganz frische Beispiel, welches ich aus dem Birmingham-Journal vom
December 1839 übersetze: „Gefangennehmung einer Gesellschaft von 84 Hundehetzern.
„– Da man erfahren hatte, daß gestern auf dem Plan in der
Fuchsstraße
„zu Birmingham eine Hundehetze Statt finden sollte,
ergriff die Gesellschaft
„der Thierfreunde Vorsichtsmaaßregeln, um sich der Hülfe
der Polizei zu
„versichern, von welcher ein starkes Detachement nach dem
Kampfplatze
„marschirte und, sobald es eingelassen worden, die
gesammte gegenwärtige
„Gesellschaft arretirte. Diese Theilnehmer wurden nunmehr
paarweise mit
„Handschlingen aneinandergebunden und dann das Ganze
durch ein langes
„Seil in der Mitte vereinigt: so wurden sie nach dem
Polizeiamt geführt,
„woselbst der Bürgermeister mit dem Magistrat Sitzung
hielt. Die beiden
„Hauptpersonen wurden jede zu einer Strafe von 1 Pfund
Sterling nebst
„8 ½ Schilling Kosten und im Nichtzahlungsfall zu 14 Tage
schwerer Ar-
„beit im Zuchthause verurtheilt. Die übrigen wurden
entlassen.“ – Die
„Stutzer, welche bei solchen noblen Pläsirs nie zu fehlen
pflegen, werden
in der Procession sehr genirt aufgesehen haben. — Aber
ein noch strengeres Exempel aus neuerer Zeit finden wir in den Times vom 6.
April 1855, S. 6, und zwar eigentlich von dieser Zeitung selbst statuirt. Sie
berichtet nämlich den gerichtlich geworbenen Fall der Tochter eines sehr
begüterten Schottischen Baronets, welche ihr Pferd höchst grausam, mit Knüttel
und Messer, gepeinigt hatte, wofür sie zu 5 Pfund Sterling Strafe verurtheilt
worden war. Darauf nun aber macht so ein Mädchen sich nichts, und würde also
eigentlich ungestraft davon gehüpft seyn, wenn nicht die Times mit der rechten
und empfindlichen Züchtigung nachgekommen wären, indem sie, die Vor- und
Zunamen des Mädchens zwei Mal, mit großen Buchstaben hinsetzend, fortfahren: „Wir
können nicht umhin, zu sagen, daß ein Paar
„Monat Gefängnißstrafe, nebst einigen, privatim, aber vom
handfestesten
„Weibe im Hampshire applicirten Auspeitschungen eine viel
passendere Be-
„strafung der Miß N. N. gewesen seyn würde. Eine Elende
dieser Art
„hat alle ihrem Geschlechte zustehenden Rücksichten und
Borrechte verwirkt:
„wir können sie nicht mehr als ein Weib betrachten.“ —
Ich widme diese Zeitungsnachrichten besonders den jetzt in Deutschland
errichteten Vereinen gegen Thierquälerei, damit sie sehen, wie man es angreifen
muß, wenn es etwas werden soll; wiewohl ich dem preiswürdigen Eifer des Herrn
Hofrath Werner in München, der sich diesem Zweige der Wohlthätigkeit gänzlich
gewidmet hat und die Anregung dazu über ganz Deutschland verbreitet, meine volle
Anerkennung zolle.
[FOOTNOTE END]
Bei steilen Brücken in London hält die Gesellschaft ein
Gespann Pferde, welches jedem schwer beladenen Wagen unentgeltlich vorgelegt
wird. Ist das nicht schön? Erzwingt es nicht unsern Beifall, so gut wie eine
Wohlthat gegen Menschen? Auch die Philanthropic Society zu London setzte ihrerseits im
Jahre 1837 einen Preis von 30 Pfund aus, für die beste Darlegung moralischer
Gründe gegen Thierquälerei, welche jedoch hauptsächlich aus dem Christenthum
genommen seyn sollten, wodurch freilich die Aufgabe erschwert war: der Preis
ist 1839 dem Herrn Macnamara zuerkannt worden. In Philadelphia besteht, zu
ähnlichen Zwecken, eine Animals
friends Society. Dem Präsidenten derselben hat T. Forster (ein
Engländer) sein Buch Philozoia, moral reflections on the actual condition of animals and the means of
improving the same (Brüssel 1839) dedicirt. Das Buch ist originell und
gut geschrieben. Als Engländer sucht der Verfasser seine Ermahnungen zu
menschlicher Behandlung der Thiere natürlich auch auf die Bibel zu stützen,
gleitet jedoch überall ab; so daß er endlich zu dem Argument greift, Jesus Christus
sei ja im Stalle bei Oechselein und Eselein geboren, wodurch symbolisch
angedeutet wäre, daß wir die Thiere als unsere Brüder zu betrachten und
demgemäß zu behandeln hätten. — Alles hier Angeführte bezeugt, daß die in Rede
stehende moralische Saite nachgerade auch in der occidentalischen Welt
anzuklingen beginnt. Daß übrigens das Mitleid mit Thieren nicht so weit führen
muß, daß wir, wie die Brahmanen, uns der thierischen Nahrung zu enthalten
hätten, beruht darauf, daß in der Natur die Fähigkeit zum Leiden gleichen
Schritt hält mit der Intelligenz; weshalb der Mensch durch Entbehrung der
thierischen Nahrung, zumal im Norden, mehr leiden würde, als das Thier durch
einen schnellen und stets unvorhergesehenen Tod, welchen man jedoch mittelst
Chloroform noch mehr erleichtern sollte. Ohne thierische Nahrung hingegen würde
das Menschengeschlecht im Norden nicht ein Mal bestehen können. Nach dem selben
Maaßstabe läßt der Mensch das Thier auch für sich arbeiten, und nur das
Uebermaaß der aufgelegten Anstrengung wird zur Grausamkeit.
[…]
IV. Zur
metaphysischen Auslegung des ethischen Urphänomens.
[§ 21–22]
[…]