Jod (von Jack Norris)

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Inhalt
  • Jodmangel und Schilddrüsenfunktion
  • Jod-Gegenspieler
  • Jodversorgung bei Vegetariern
  • Empfehlungen und Quellen
  • Nebensächliche Infos zu Jod
  • Mehr Hintergrundinformation
  • Quellenangaben


Jodmangel und Schilddrüsenfunktion

Jod wird für ein gesundes Funktionieren der Schilddrüse benötigt. Die Schilddrüse reguliert den Stoffwechsel. Sowohl zu viel als auch zu wenig Jod kann zu einem abnormalen Schilddrüsenstoffwechsel führen. Die Vegan Society (UK) hat eine Übersicht (Iodine) zum Thema Jod zusammengestellt. Ein Auszug aus dieser Übersicht: 


„[…] Jodmangel während der Schwangerschaft oder der frühen Kindheit kann sogenannten ‚Kretinismus‘ verursachen (irreversible geistige Zurückgebliebenheit und schwerwiegende motorische Störungen). […] Schilddrüsen-Unterfunktion kann sich in diesen Symptomen äußern: Schlappheit, trockene, schuppige oder gelbliche Haut, Kribbel- oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen, Gewichtszunahme, Vergesslichkeit, Veränderungen der Persönlichkeit, Depression, Anämie und länger andauernder, stärkerer Menstruation. […] Schilddrüsen-Unterfunktion kann ebenfalls Karpaltunnelsyndrom und Raynaud-Syndrom [Episoden mit eingeschränkter Durchblutung von Fingern, Zehen, Ohren und Nase] verursachen. Schilddrüsen-Unterfunktion kann zu einer bedeutenden Erhöhung der Cholesterinwerte und der Homocysteinwerte führen und scheint in ca. 10% der Fälle von hohem Cholesterin eine Rolle zu spielen. Eine Aufhebung der Schilddrüsen-Unterfunktion kann zu einer Senkung der Cholesterin- und Homocysteinwerte um 30% führen.“     

Laut Mayo Clinic kann eine über- oder unteraktive Schilddrüse auch zu Haarverlust führen.     

Jod-Gegenspieler
Es gibt Bestandteile in Soja, Leinsamen und rohem Gemüse aus der Kreuzblütlerfamilie (Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl, Weißkohl und Rotkohl), die Jod entgegenwirken. Diese Bestandteile, die Goitrogene oder strumigene Substanzen genannt werden, verursachen eine vergrößerte Schilddrüse (einen Kropf). Daraus folgt, dass große Mengen Soja zusammen mit einer unzureichenden Jodzufuhr einen Jodmangel verschlimmern können.   


Jodversorgung bei Vegetariern

Jod kommt in pflanzlichen Lebensmitteln ungleichmäßig verteilt vor, abhängig vom Jodgehalt des Bodens. Lebensmittel, die in Meeresnähe angebaut werden enthalten tendenziell mehr Jod. Jod kommt  auf verlässliche Art nur in einigen wenigen Lebensmitteln vor, z.B. in Milchprodukten (weil Jodlösungen verwendet werden, um die Euter der Kühe und die Melkmaschinen zu reinigen und das Jod sich schließlich in der Milch wiederfindet) und in Fisch, „Meeresfrüchten“ und Meeresalgen. 

In einer Querschnittsstudie von 2011 im Großraum Boston (USA) wurden die Urin-Jodwerte von 78 Ovo-Lacto-Vegetariern und 62 Veganern gemessen (4). Menschen, bei denen bereits zuvor Schilddrüsenprobleme diagnostiziert worden waren, wurden von der Studie ausgeschlossen. Den Autoren der Studie zufolge ist „eine ausreichende Versorgung einer Population mit Jod so definiert, dass der Medianwert der Urin-Jodkonzentration bei Erwachsenen bei 100 µg/l oder höher und bei Schwangeren bei 150 µg/l oder höher liegt.“ Der Median der Urin-Jodkonzentration der Veganer (79 µg/l; Streuung 7 - 965 µg/l) war signifikant niedriger als der bei den Ovo-Lacto-Vegetariern (147 µg/l; Streuung 9 - 779 µg/l). Marker für Schilddrüsenfunktion waren in beiden Gruppen ähnlich und im normalen Bereich. Ein Veganer und keiner der Ovo-Lacto-Vegetarier zeigte eine abnormale Schilddrüsenfunktion. Die Mehrheit dieser Veganer hatte nicht darauf geachtet eine angemessene Jodzufuhr sicherzustellen.   
  
Jodmangel ist für Veganer in den USA ein geringeres Problem als für Veganer in Europa (1), weil Lebensmittel in Europa weniger Jod enthalten. Studien haben gezeigt, dass Veganer in Europa (wo Salz mit geringen Mengen Jod angereichert wird), die keine Präparate mit Jod einnehmen (und auch die, die zu viel Jod einnehmen) Anzeichen für eine abnormale Schilddrüsenfunktion zeigen (1, 2).



Empfehlungen und Quellen

Tabelle 1   Empfohlene Tageszufuhr (DRI, Dietary Reference Intake) für Jod
Alter (Jahre)
DRI (µg)a
Sichere Obergrenzeb (µg)
0-6 Monate
110

7-12 Monate
130

1-3
90
200
4-8
90
300
9-13
120
600
14-18
150
900
> 18
150
1100
Schwangere
≤ 18
220
900
> 18
220
1100
Stillende Frauen
≤ 18
290
900
> 18
290
1100
aµg = Mikrogramm | bDie Obergrenze sollte nicht überschritten werden.

Veganer in Nordamerika sollte ein mäßigdosiertes Jodpräparat einnehmen. 75-150 µg täglich oder alle zwei Tage sollten ausreichen. 

Vegane Jodpräparate sind in [vielen Supermärkten] und Naturkostläden erhältlich und die meisten Multivitaminpräparate enthalten Jod [z.B. „VEG 1“].

In den USA kann man die verbleibenden 75 µg Jod durch einen Viertel Teelöffel Jodsalz zu sich nehmen. Wenn man bereits einen Viertel Teelöffel Salz täglich isst, sollte man darauf achten, dass es Jodsalz ist.

Wenn man regelmäßig Meeresalgen isst (mehrmals pro Woche), nimmt man wahrscheinlich genug Jod durch die Algen zu sich. Die Verfügbarkeit von Jod aus Meeresalgen schwankt jedoch und Meeresalgen können auch zu viel Jod liefern. In wissenschaftlichen  Fachzeitschriften dokumentierte Fälle von toxischem Jod-Überschuss werden oft durch einen übermäßigen Konsum von Kelp oder Kelp-Tabletten verursacht.

Es könnte einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Jodzufuhr und Akne geben (5, 6), obwohl Mengen bis zu 1000 µg für die Mehrheit der Bevölkerung für sicher gehalten werden (7).  

Die meisten Jodpräparate sind einfach Tabletten, die aus Kelp bestehen. Da Kelp eine Meeresalge ist, enthält es wahrscheinlich zumindest kleine Mengen Arsen. Es gibt ein paar sehr seltene Fälle, in denen Menschen, die Kelp-Präparate einnahmen, Symptome von Arsenvergiftung entwickelten (8). Eine Untersuchung von Kelp-Präparaten in den USA fand in acht von neun Proben gewisse Mengen Arsen (8). Eine weitere Untersuchung im Vereinigten Königreich mit importierten Meeresalgen fand sehr wenig Arsen in Kelp und keine messbaren Mengen anorganisches Arsen, welches die schädliche Form darstellt (9).

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Einnahme von Kelp-Präparaten bei der empfohlenen Menge von 150 µg alle zwei Tage zu Arsentoxizität führt. Sollte man sich allerdings deswegen Sorgen machen, gibt es mindestens eine Firma, die Jodtabletten produziert, die nicht aus Kelp hergestellt sind: Nature's Plus Potassium Iodide.

Weitere Informationen zum Thema: Arsenic in Kelp Supplements.

Eine Jodzufuhr in Mengen, die die sichere Obergrenze überschreiten, sollte vermieden werden.


Nebensächliche Infos zu Jod 

  • Für unsere Zwecke hier sind die Begriffe „Jodid“ (ein Atom) und „Jod“ (ein Molekül aus zwei Jodid-Atomen) gleichbedeutend.
  • Ein Kropf (eine vergrößerte Schilddrüse) kann sowohl durch eine zu niedrige als auch durch eine zu hohe Jodzufuhr verursacht werden. Die Symptome können ebenfalls in beiden Fällen gleich sein: Schilddrüsen-Unterfunktion, bei der sich der Stoffwechsel verlangsamt und es zu Gewichtszunahme und einem Ansteigen der Cholesterinwerte kommt, oder Schilddrüsen-Überfunktion, bei der sich der Stoffwechsel erhöht und es dadurch zu Gewichtsverlust kommt.    
  • Jodmangel kann im Fötus die Gehirnentwicklung hemmen. Vegane Frauen sollten also auf eine verlässliche Jodquelle achten.
  • In den USA enthält jodiertes Speisesalz 76 µg pro 1,5 g (¼ Teelöffel) Salz. Diese Menge Salz liefert ebenfalls 580 mg Natrium. Ob ein Salz mit Jod angereichert ist, steht auf der Packung (= Jodsalz).   
  • Salz in verarbeiteten Lebensmitteln ist normalerweise nicht jodiert.
  • Meersalz enthält nicht zwangsläufig Jod und hat denselben Effekt auf den Blutdruck und Kalziumausscheidung wie gewöhnliches Speisesalz.


Mehr Hintergrundinformation


Quellenangaben

1. Key, T. J. A., Thorogood, M., Keenan, J. and Long, A. (1992), Raised thyroid stimulating hormone associated with kelp intake in British vegan men. Journal of Human Nutrition and Dietetics, 5: 323–326. Link. Also described in:
Appleby PN, Thorogood M, Mann JI, Key TJ. The Oxford vegetarian study: an overview. Am J Clin Nutr 1999 Sep;70(3 Suppl):525S-531S.
Link

2. Lightowler HJ, Davies GJ. Iodine intake and iodine deficiency in vegans as assessed by the duplicate-portion technique and urinary iodine excretion. Br J Nutr 1998 Dec;80(6):529-35I. Link

4. Leung AM, Lamar A, He X, Braverman LE, Pearce EN. Iodine Status and Thyroid Function of Boston-Area Vegetarians and Vegans. J Clin Endocrinol Metab. 2011 May 25. [Epub ahead of print] Link

5. Arbesman H. Dairy and acne--the iodine connection. J Am Acad Dermatol. 2005 Dec;53(6):1102.   |   Link

6. Danby FW. Acne and iodine: reply. J Am Acad Dermatol. 2007 Jan;56(1):164-5.   |   Link

7. Pennington JA. A review of iodine toxicity reports. J Am Diet Assoc. 1990 Nov;90(11):1571-81. Review.   |   Link (Abstract)

8. Amster E, Tiwary A, Schenker MB. Case report: potential arsenic toxicosis secondary to herbal kelp supplement. Environ Health Perspect. 2007 Apr;115(4):606-8. Epub 2007 Jan 18.   |   Link | Follow-up letters to the editor.

9. Rose M, Lewis J, Langford N, Baxter M, Origgi S, Barber M, MacBain H, Thomas K. Arsenic in seaweed--forms, concentration and dietary exposure. Food Chem Toxicol. 2007 Jul;45(7):1263-7.   |   Link

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