17 December 2011

Nebenwirkungen von B12-Präparaten (von Jack Norris)



This article in the English original: Side Effects of B12 Supplements
zuletzt aktualisiert: Februar 2012

Zusammenfassung
Seit den 1970er-Jahren sind in der medizinischen Literatur ein paar Fälle von Rosacea und anderen akneähnlichen Hautproblemen als Folge von Vitamin-B12-Behandlung dokumentiert worden. Nur wenige Menschen zeigen solche Reaktionen, aber wer nach der Einnahme hoher Dosen von Vitamin B12, einen Hautausschlag feststellt, sollte aufhören, das B12-Präparat einzunehmen, und meinen täglichen Empfehlungen für der Verzehr von angereicherten Nahrungsmitteln oder für die Einnahme viel kleinerer Mengen an Vitamin B12 folgen.

Generelle Unbedenklichkeit
Generell wird davon ausgegangen, dass große Dosen von Vitamin B12 nicht schädlich sind. Die weitreichende Übereinstimmung diesbezüglich kann mit einem Zitat vom Linus Pauling Institute der Oregon State University zusammengefasst werden: „Es sind bisher keine toxischen oder negativen Auswirkungen im Zusammenhang mit hohen Dosen von Vitamin B12 aus Nahrungsmitteln oder Vitaminpräparaten bei gesunden Menschen bekannt. Dosen von bis zu 1 mg (1000 mcg) täglich, oral eingenommen, oder 1 mg monatlich, verabreicht durch intramuskuläre Injektion (i. m.), wurden bisher ohne bedeutende Nebenwirkungen zur Behandlung von perniziöser Anämie angewendet.“ (Link)


Fallbeispiele
Wir haben ein paar Berichte von Menschen erhalten, die erklärten, sie hätten eine negative Reaktion auf ein Vitamin-B12-Präparat (üblicherweise 1000 Mikrogramm) gezeigt. Zusätzlich gibt es zahlreiche Fallbeispiele in der medizinischen Literatur – das jüngste Beispiel ist von 2001:

Eine 17-Jährige aus Deutschland litt unter einem Ausbruch von Rosacea fulminans [eine akneartige Hauterkrankung], zwei Wochen nachdem sie angefangen hatte, täglich 80 mg Vitamin B6 und 20 µg Vitamin B12 einzunehmen (Jansen, 2001). Diese Mengen sind nicht ungewöhnlich hoch.

Es wurde „Rosacea fulminans in Verbindung mit Vitamin-B-Überschuss” diagnostiziert. Der jungen Frau wurde angeraten, das Nahrungsergänzungspräparat nicht weiter zu nehmen, und sie wurde mit Methylprednisolon, Isotretinoin und Clobetasolpropionat behandelt, wodurch innerhalb von vier Monaten alle Hautveränderungen, ohne zurückbleibende Narben, beseitigt werden konnten.

Die Autoren schrieben: „Vitamin B2 (Riboflavin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cyanocobalamin) sind bekannt dafür, dass sie Akne verschlimmern können oder akneähnlichen Ausschlag auslösen können.“

In einem Bericht von 1991 über einen Fall aus North Carolina (USA) heißt es: „Dieser Fall zeigt einen Akne rosacea ähnelnden Ausschlag, der vorläufig mit der täglichen Einnahme eines hochdosierten B-Vitaminpräparats in Verbindung gebracht wurde. Der Ausschlag sprach nicht auf die bei Rosacea übliche Behandlung an, aber verbesserte sich schnell, als der Patient aufhörte, das Vitaminpräparat einzunehmen.“ (Sherertz, 1991)

Die Kurzzusammenfassung (Abstract) eines Artikels aus Deutschland beschreibt, dass 14 Patienten von einer Behandlung mit Vitamin B6 und/oder Vitamin B12 Akne bekamen (Braun-Falco, 1976). Die Vitaminmengen wurden in der Kurzzusammenfassung nicht angegeben.


Sicherheit von Cyanocobalamin
Manche Menschen machen sich Sorgen in Bezug auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit und Sicherheit von Cyanocobalamin, weil Cyanid ein Bestandteil von Cyanocobalamin ist und weil das Cyanid-Molekül vom Cyanocobalamin losgelöst wird, wenn dieses von den Körperzellen verwendet wird. Cyanid kommt auch in vielen Obst- und Gemüsesorten vor, d. h. Menschen nehmen immer kleine Mengen Cyanid zu sich. Genau wie bei den meisten Sorten von Obst und Gemüse wird die Cyanid-Menge in Cyanocobalamin für physiologisch unbedeutend gehalten.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit „zeigen die Erkenntnisse einer norwegischen Ernährungsumfrage, dass die durchschnittliche tägliche Zufuhr und die tägliche Höchstzufuhr (97,5 % der Teilnehmer liegen unter diesem Wert) bei 95 µg bzw. 372 µg pro Person liegen – oder 1,4 µg bzw. 5,4 µg je Kilogramm Körpergewicht pro Tag (7).“ Die Cyanid-Menge in 1.000 µg Cyanocobalamin ist 20 µg.

Tabelle 1 enthält (zum Vergleich) weitere Angaben zu Cyanid-Mengen in Cyanocobalamin.

Tabelle 1   Cyanid-Gehalt in Cyanocobalamin
Molekulargewicht von Vitamin B12
1355 g/mol
Molekulargewicht von Cyanid
27 g/mol
Prozentanteil von Cyanid in Vitamin B12 nach Gewicht
2,0 %
Cyanid-Menge in 1000 µg Cyanocobalamin
20 µg
Wert für ein minimales Risiko bei oraler Zufuhr von Cyanid4, a
0,05 mg/kg Körpergewicht pro Tag
Wert für ein minimales Risiko bei oraler Zufuhr von Cyanid bei einer Person mit 64 kg
3175 µg/Tag
Prozentanteil dieses Werts minimalen Risikos bei 1.000 µg Cyanocobalamin
0,6 %
tödliche Dosis von Cyanid5
0,5 bis 3,0 mg/kg Körpergewicht
niederer Grenzbereich einer tödlichen Dosis von Cyanid bei einer Person mit 64 kg
31750 µg
Prozentanteil der tödlichen Dosis bei 1.000 µg Cyanocobalamin
0,06%
a Der Wert für minimales Risiko sagt nichts über das Krebsrisiko aus (6).



Quellenangaben
1. Jansen T, Romiti R, Kreuter A, Altmeyer P. Rosacea fulminans triggered by high-dose vitamins B6 and B12. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2001 Sep;15(5):484-5.   |   Link
2. Sherertz EF. Acneiform eruption due to "megadose" vitamins B6 and B12. Cutis. 1991 Aug;48(2):119-20.   |  (nur) Abstract
3. Braun-Falco O, Lincke H. [The problem of vitamin B6/B12 acne. A contribution on acne medicamentosa (author's transl)]. MMW Munch Med Wochenschr. 1976 Feb 6;118(6):155-60.   |   Abstract (Artikel auf Deutsch)
4. ToxGuide for Cyanide. Agency for Toxic Substances and Disease Registry. Centers for Disease Control. July 2006. Accessed 2/7/2012.   |   Link.
5. Natural Toxins in Fresh Fruit and Vegetables. Canadian Food Inspection Agency. letzter Zugriff 8.2.2012.   |   Link
6. Minimal Risk Levels. Toxic Substances Portal. Agency for Toxic Substances and Disease Registry. Centers for Disease Control.  letzter Zugriff  8.2.2012.   |   Link
7. Opinion of the Scientific Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (AFC) on hydrocyanic acid in flavourings and other food ingredients with flavouring properties. The EFSA Journal (2004) 105. Link